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Herzlich Willkommen auf den Webseiten der liberalen Jüdischen Gemeinde Göttingen!

Hier finden Sie Informationen und Bilder zu unserem aktuellen religiösen, sozialen, kulturellen und politischen Leben, zur Geschichte der Gemeinde und ihrer Gebäude und zu unserem Friedhof. Wir berichten regelmäßig über wichtige Ereignisse, Feste und unsere interreligiösen wie interkulturellen Kontakte. Im Archiv finden Sie Hinweise auf Veröffentlichungen und Presseartikel, u.a. zum Thema Antisemitismus.

Die Coronapandemie hat unser Gemeindeleben sehr verändert und uns vor neue Herausforderungen gestellt. Wir mussten uns rasch auf digitale Angebote umstellen. Momentan bieten unsere Rabbiner_innen und unser Chasan (Kantor) G´ttesdienste und Shiurim (Lernstunden) online an. Wenn das Wetter mitspielt, nutzen wir aber auch unseren schönen Garten für G´ttesdienste und Zusammenkünfte. Aktuelle Draschot (Predigten) der Rabbiner_innen finden Sie auf dieser Seite. Archivierte Draschot sind →hier.

jüdische Feiertage

Freitag, den 18. Juni 2021, 18.30 Uhr -- Präsenzveranstaltung in der Gemeinde

 Kabbalat Schabbat (Chukkat)

mit unserer Vorstitzenden Jacqueline Jürgenliemk

Diese Woche lesen wir die Parascha Chukkat (Bemidbar 19.1 - 22.1)

Freitag, den 25. Juni 2021, 18.30 Uhr -- Präsenzveranstaltung in der Gemeinde

 Kabbalat Schabbat (Balak)

mit Rabinnerstudentin Helene Braun

Für diese Woche lesen wir die Parascha Balak (Bemidbar 22.2 - 25.9)

für archivierte Nachrichten, →hier klicken

Andere Nachrichten

Bekanntmachungen

Unterschiedlich, s. Kalender

 Festjahr 2021 -- 1700 Jahre Jüdisches Leben in Deutschland

IM JAHR 2021 LEBEN JÜDINNEN*JUDEN NACHWEISLICH SEIT 1700 JAHREN AUF DEM GEBIET DES HEUTIGEN DEUTSCHLANDS.
Aus diesem bedeutenden Anlass haben sich Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und wichtige Institutionen zusammengeschlossen, um dieses Ereignis unter der Leitung eines eigens gegründeten Vereins zu begehen.  
Unter dem Namen #2021JLID – Jüdisches Leben in Deutschland werden bundesweit rund tausend Veranstaltungen ausgerichtet. Darunter Konzerte, Ausstellungen, Musik, ein Podcast, Video-Projekte, Theater, Filme … 
Ziel des Festjahres ist es, jüdisches Leben sichtbar und erlebbar zu machen und dem erstarkenden Antisemitismus etwas entgegenzusetzen. 

Kalender

Donnerstag, den 27. Mai 2021 bis Dienstag, den 7. Dezember 2021 -- Unterschiedliche Veranstaltungen -- s. Text

 Veranstaltungen der liberalen jüdischen Gemeinden in Niedersachsen

Donnerstag, den 27. Mai 2021 um 19.00 via ZOOM: „Die Berufung am brennenden Dornbusch“, Gesprächsabend mit Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg und Hans-Georg Spangenberger, Liberale Jüdische Gemeinde Hameln

Donnerstag, den 24. Juni 2021 um 19.00 Uhr via ZOOM: „Der Tanz ums Goldene Kalb“, Gesprächsabend mit Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg und Hans-Georg Spangenberger, Liberale Jüdische Gemeinde Hameln

Sonntag, den 29. August um 15.00 Uhr im Garten der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover: „Musikfestival Le Chaim“ mit der Musikband Lechaim und weiteren jüdischen Musiker*innen, Liberale Jüdische Gemeinde Hannover

Mittwoch, den 01.September 2021 um 17.00 Uhr im Stadtteilzentrum Wolfsburg: „Interaktiver Tanz-Workshop zu jüdischen Volkstänzen“ mit Larissa Schein, Liberale Jüdische Gemeinde Wolfsburg

Dienstag, den 14. September 2021 um 19.00 Uhr, Gemeindezentrum St. Augustinus, Vizelinstr.: „Schonzeit vorbei – über das Leben mit dem täglichen Antisemitismus“, Lesung mit Juna Grossmann, Liberale Jüdische Gemeinde Hameln

Mittwoch, den 22. September 2021 um 18.00 Uhr, Synagoge LJGH: „Sukkot – jüdische Ethik und was Sukkot damit zu tun hat“ mit Alisa Bach, Liberale Jüdische Gemeinde Hannover

Donnerstag, den 30. September 2021 um 19.00 Uhr, Synagoge Celle: „Einführung in die Grundsätze des Judentums“ mit Patrick Hahne, Liberale Jüdische Gemeinde Celle

Donnerstag, den 07. Oktober 2021 um 19.00 Uhr, Synagoge Bürenstr.: „Bertha Pappenheim – Soziale Arbeit aus jüdischer Perspektive“, Vortrag von Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg, Liberale Jüdische Gemeinde Hameln

Donnerstag, den 14. Oktober 2021 um 19.00 Uhr, Synagoge Celle: „Jüdisches Leben in Celle/ Niedersachsen“ mit Dorit Schleinitz, Liberale Jüdische Gemeinde Celle

Sonntag, den 17.Oktober 2021 um 16.00 Uhr: „Jüdische Geschichte und Kultur“, Vortrag mit musikalischem Konzert der Gruppe Simha, Liberale Jüdische Gemeinde Bad Pyrmont

Mittwoch, den 20. Oktober 2021 um 18.00 Uhr, Synagoge LJGH: „Jüdische Migrant*innen in Deutschland – Geschichten und Erfahrungen“ mit Yevgen Bruckmann, Liberale Jüdische Gemeinde Hannover

Mittwoch, den 27. Oktober 2021 um 18.00 Uhr: „Die Grundsätze des Judentums im Kontext von Dialog- und Bildungsarbeit“ mit Rabbinerin Jasmin Andriani, Liberale Jüdische Gemeinde Wolfsburg

Donnerstag, den 28. Oktober 2021 um 19.00 Uhr, Synagoge Celle: „Vermittlung von Judentum und jüdischem Leben im Kontext Schule“ mit Dr. Rebecca Seidler, Liberale Jüdische Gemeinde Celle

Sonntag, den 07. November 2021 um 11.00 Uhr, Liberale Jüdische Gemeinde Hannover: „Konzert mit Frühstücksbrunch zu Gunsten der WIZO“ mit dem Duo Levinsky und Budenstein, Liberale Jüdische Gemeinde Hannover

Mittwoch, den 17. November 2021 um 18.00 Uhr, Israel Jacobson Bibliothek: „Antisemitismus heute und Handlungsmöglichkeiten für die Zivilgesellschaft“ mit Dr. Kay Schweigmann-Greve, Liberale Jüdische Gemeinde Hannover

Sonntag, den 21.11.2021 um 18.00 Uhr: „Das Wunder von Chanukka im Lichte von 1700 Jahre jüdischer Diaspora“ mit Rabbinerin Jasmin Andriani und Kantor Daniel Kempin, Liberale Jüdische Gemeinde Göttingen

Sonntag, den 05. Dezember 2021 um 15.30 Uhr in der Liberalen Jüdischen Gemeinde Hannover: „Konzert anlässlich Chanukka“ mit dem Asamblea Mediterranea, Liberale Jüdische Gemeinde Hannover

Dienstag, den 07.12.2021 um 19.00 Uhr, Synagoge Bürenstr.: „Zeitreisen – Feste und Traditionen des jüdischen Jahres“, Vortrag von Rabbinerin Dr. Ulrike Offenberg, Liberale Jüdische Gemeinde Hameln

Draschot

Freitag, den 11. Juni 2021

 Drascha Korach

von Rabbinerin Jasmin Adriani

Liebe Gemeinde,

 

Heute ist nicht nur Schabbat, sondern auch Rosch Chodesch. Der Monat Tammus beginnt. In diesem Monat haben wir den Fastentag vom 17. Tammus (27.06.), mit dem die drei Wochen der Trauer über die Zerstörung der beiden Tempel in Jerusalem beginnen, die dann am 9. Av enden (17.07.).

 

Warum wurde der Tempel zerstört? Darauf gibt es natürlich viele Antworten in der rabbinischen Literatur, aber die berühmteste Antwort findet sich im Talmud in Yoma, wo es heißt: Der zweite Tempel, in dem sie Torah lernten - gute Taten taten – warum wurde der zerstört? Wegen Sin'at chinam, grundlosem Hass. Das Volk war zerspalten und die verschiedenen Lager standen sich wegen Nichtigkeiten feindselig gegenüber.

Auch die Parascha diese Woche erzählt von Hass, Aufruhe und Spaltung: Der Rebellion von Korach.

Die Israeliten sind in der Wüste und Moscheh muss wieder einmal große Herausforderungen bewältigen. Sein Bruder Ahron ist der Hohepriester, der Cohen hagadol, und seine Söhne sind die Priester. Eines Tages erhebt sich Korach, ein Levit, die den Priestern dienlich sein sollen, gemeinsam mit 250 Stammesfürsten und Datan und Abiram aus dem Stamme Re´uwens.

Sie wenden sich an Moscheh und Ahron mit den Worten: „Genug mit euch! Kol haEdah kulam kedoschim! Denn die ganze Gemeinde allesamt sind heilig und unter ihnen ist der Ewige! Und warum erhebt ihr euch über die Versammlung des Ewigen?“

Sie fordern die Autorität heraus und wollen ebenfalls Teil an der Entscheidungsfindung sein. Moderne Kommentatoren sehen hier den Wunsch nach mehr Demokratie. Die traditionelle Bibelauslegung sieht Korach und die Seinen freilich sehr kritisch.

Rashi beispielsweise versucht die Psyche Korachs zu analysieren: Er war der Cousin von Moscheh, denn Moschehs Vater Amram war der älteste Bruder, der zweitälteste war Korachs Vater Jizhar und der dritte Bruder war Usiel. Moscheh und Ahron nahmen ihre Positionen ein, die durch das Erstgeborenenrecht gesichert war. Anstatt dann aber Korach als Stammesfürst, als Nasi, einzusetzen, bekam diese Ehrung Elitzafan ben Uziel, der Sohn des jüngsten Bruders und Korach wurde übergangen. Eifersucht und verletzte Eitelkeit sind Raschi zu Folge also die Triebkräfte hinter Korachs Machtbestrebungen.

Moscheh kündigt an, dass es eine Prüfung geben soll, wen G´tt als die Führer der Israeliten haben möchte: Alle Aufständischen und Moscheh und Ahron sollen sich mit ihren Räucherpfannen aufstellen. Hierbei handelt es sich um ein kleines Gefäß, in dem auf glühenden Kohlen Weihrauch oder Kräuter verbrannt wurden. Die Rebellierenden waren mit dieser Prüfung einverstanden und am nächsten Morgen stellten sich alle mit ihrem mobilen Altar auf. Plötzlich „spaltete sich der Boden unter ihnen und die Erde öffnete ihren Mund und verschlang sie und ihre Häuser und alle Menschen, die Korach gehörten, und alle Habe, dass sie und alle ihren hinabfuhren lebendig in die Scheol und die Erde sie deckte und sie verschwanden aus der Versammlung. Und ganz Israel, das ringsum sie stand, floh bei ihrem Geschrei. Und ein Feuer ging aus von den Seiten des Ewigen und verzehrte die 250 Männer.“

Auf diese Weise war die unbestreitbare Autorität von Moscheh und Ahron wieder hergestellt ohne wenn und aber.

Auch wir kennen Spaltung in der Gesellschaft, konkurrierende Gruppen, aber zumeist ohne ein g´ttliches Zeichen zu bekommen, welche Streitpartei Recht hat.

Gerade im letzten Jahr wurden unter den besonderen Umständen der Pandemie viele Gesellschaften auf die Zerreisprobe gestellt. In Israel führte dies zu verschiedenen Spaltungen. Eine ganze Zeit lang wurde sich sehr über die Orthodoxen geärgert, denen man einen laxen Umgang mit der Krankheit vorwarf. In den letzten Wochen kam es zu erheblichen Spannungen mit der arabischen Bevölkerung Israels und den arabischen Nachbarn. Nun gab es Wahlen und die Hoffnung ist da, dass es unter der Beteiligung einer arabischen Partei auch wieder zu mehr Zusammengehörigkeitsgefühl unter den Menschen kommt. Das breite Bündnis aus 8 Parteien, das am Sonntag vereidigt werden soll, hat die Chance abgebrochene Brücken neu zu bauen.

Auch wir in Deutschland wurden durch Corona auseinander getrieben. Neben Querdenkern und undemokratischen Parteien stellte auch die soziale Isolierung eine große Schwierigkeit dar. Auch hier spüren wir wieder Hoffnung und müssen langsam und behutsam wieder zusammenwachsen.

Eine Stelle unseres Torahabschnitts ist mir sehr ins Auge gefallen: „Und Moscheh sprach zu Ahron: Nimm die Räucherpfanne und tue Feuer vom Altar darauf und lege Räucherwerk auf und bring es eilends unter die Gemeinde und entsühne sie, denn der Zorn ging aus vom Ewigen her, die Plage hat begonnen! Und Ahron nahm, wie Moscheh geredet, und lief mitten unter die Versammlung, und siehe, die Plage hatte im Volke begonnen; und er legte das Räucherwerk auf und entsühnte das Volk.“ (17, 12) So beendete er die Plage, der 14700 Menschen zum Opfer gefallen waren. Laut RKI :-)

Ein Heilmittel gegen die Plage? Das erinnert stark an die Coronaimpfung!

Oft kommt mir die Welt so voll vor. So viele Menschen mit ihren Bedürfnissen und ihrer Meinung. Streit und Zerwürfnis wie oben geschildert. Nun muss ich aber zugeben: Ich selbst habe überhaupt nichts zu dem Heilmittel beigetragen, das ich nun auch endlich verabreicht bekommen habe. Ich habe nicht dafür geforscht, habe es nicht entwickelt, nicht bei der Produktion oder Verteilung geholfen, nicht die Glasfläschchen oder Kanülen hergestellt. Ich kann mir nicht einmal die Spritze selber geben. Und trotzdem profitiere ich. Und dann auch noch ohne dafür extra zu bezahlen. Diese Erkenntnis macht mich erstens demütig und zweitens doch dankbar für meine vielen verschieden begabten Mitmenschen. Dass wir es wirklich geschafft haben werden unsere Gesellschaft zu immunisieren, ist ein starkes Stück Teamwork. Es ist Zeuge dafür, dass unser Gesellschaftssystem funktioniert und alle voneinander profitieren können!

Gerade nun also, wenn wir uns an den Sinat chinam, den überflüssigen, grundlosen, verschwendeten Hass erinnern, der zu der Zerstörung der beiden Tempel führte, können wir uns freuen über Ahawat chinam – grundlose Liebe. Lasst uns alle mitwirken, unsere Gesellschaft wieder zusammen zu bringen. Den Schlom Baijt, den Hausfrieden, wieder herzustellen. Ahawat chinam zu verbreiten.

Ich wünsche uns einen friedlichen und liebevollen Schabbat.

Schabbat schalom umeworach!